Architektonische Besonderheiten

Jagdschloß Granitz
Das Schloss auf dem 106 Meter hohen Tempelberg liegt drei Kilometer südöstlich von Binz. In der Blütezeit des Klassizismus von 1837 bis 1851 ließ es Wilhelm Malte I., Fürst und Herr zu Putbus, erbauen. Zuvor stand ein Jagdhaus mit zwei Pavillons auf einer Lichtung (1723 erbaut), das nach der Renovierung im Jahr 1815 mit neogotischem Dekor versehen wurde. Das Ensemble wurde 1730 durch einen Aussichtsturm (Belvedere) auf dem Hügel oberhalb des Jagdhauses ergänzt. 1837 begannen dort die Bauarbeiten zum heutigen Jagdschloss nach Plänen des Berliner Baumeisters Gottfried Steinmeyer, die der berühmte preußische Oberregierungsbaurat Karl Friedrich Schinkel korrigierte. Neu war der mächtige Mittelturm (38 Meter hoch) im ursprünglichen Lichthof. 1845 wurde die gusseiserne Wendeltreppe, eine Meisterleistung des Eisenkunstgusses mit 154 Stufen, im Turm eingebaut. Ein Jahr später kamen bereits die ersten Gäste. Der Einbau eines saalhohen Kamins im Marmorsaal bildete 1851 den Abschluss der Bauarbeiten.
Die fürstliche Familie nutzte das Jagdschloss überwiegend für ihre Gäste. Jedoch wohnte sie nach einem Brand des Schlosses in Putbus von 1865 bis 1874 selbst einige Jahre in den Räumen im Erdgeschoss. Bereits 1900 gab sie das Schloss zur Besichtigung frei.
Heute ist das Jagdschloß Granitz eine der meist besuchten Sehenswürdigkeiten auf Rügen. Von der 144 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Plattform des Aussichtsturmes aus hat man einen weiten Panoramablick über die einmalige Schönheit der Insel Rügen.

Wolgasthäuser
Das wohl schönste der drei denkmalgeschützten Wolgasthäuser auf Rügen ist die Villa „Undine“ aus dem Jahr 1885 an der Binzer Strandpromenade. Etwas zurückliegend, mit dunkelrotem Außenanstrich, befindet es sich in Höhe der Margaretenstraße. Auch das Binzer Privathaus „Liliput“ (Ecke Schillerstraße / Wylichstraße) und ein Haus in Göhren gehören dazu.
Ihren Namen erhielten sie von einer Werft in Wolgast. Der Schiffbaumeister Heinrich Kraeft hatte am Ende des 19. Jahrhunderts die Idee, Fertigteilhäuser zu bauen, die sogar per Katalog bestellbar waren. Dafür verwendete er hochwertige Hölzer aus Übersee. Als Vorbilder dienten ihm wahrscheinlich die norwegischen „Drachenhäuser“ (mit Drachenköpfen an den Balkenenden, teilweise noch zu sehen) sowie Überlieferungen aus der nordisch-wikingische Schiffbau- und Stabkirchentradition.

Die Bauwerke des Binzer Ulrich Müther
Der Binzer Baumeister Ulrich Müther, dessen Bauwerke weltweit Beachtung finden, legte in den 60er Jahren den Grundstein für extravagante und filigrane Betonschalenbauten. Ihre Erscheinung ist imposant und ungewöhnlich. Die neue Hyparschalen-Konstruktion war vielseitig einsetzbar und so entstanden neben Vordächern auch Planetarien, Moscheen und Bobbahnen. Seine Entwürfe für Zeiss-Planetarien wurden gegen wertvolle Valuta nach Wolfsburg, Helsinki, Tripolis (Libyen) und Kuwait verkauft. Auf Müthers Heimatinsel Rügen sind ebenfalls zahlreiche markante Beispiele seiner Arbeit zu finden: die „Ostseeperle“ in Glowe, der Musikpavillon in Sassnitz oder das „Inselparadies“ in Baabe. In Binz sind die ehemalige Bushaltestelle am heutigen Kreisverkehr (kleine Schale als Dach aus dem Jahr 1967) sowie der Rettungsturm am Strandzugang 6 auf den Baumeister zurückzuführen. Der 1981 entstandene Rettungsturm erinnert an ein „UFO“. Heute können sich dort Paare das Ja-Wort geben.
Am 3. Oktober 2015 wurde der "Ulrich-Müther-Platz" an der Strandpromenade (nahe des Rettungsturmes) eingeweiht. Mit einer Informationstafel wird an den Binzer Baumeister erinnert.

Ende September erinnert das Ostseebad Binz mit einer Themenwoche an seinen bedeutenden Baumeister ULRICH MÜTHER.