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Ulrich Müther - Visionär, Landbaumeister und Schalenbau-Spezialist aus Binz

Mutig, mutiger, Müther: Ulrich Müther (1934-2007) aus dem Ostseebad Binz. Seine Bauwerke sind filigran. Wie schwebende Segel überspannen die nur wenige Zentimeter dünnen Hyparschalen aus Spritzbeton große Flächen. Inspiriert wurde Müther von der Natur, von den Muscheln am Strand, aber auch von seiner Leidenschaft, dem Segeln, und von den großen Vertretern des Schalenbaus wie Eugène Freyssinet, Ulrich Finsterwalder, Max Dischinger oder Félix Candela.

Normalerweise erinnert das Ostseebad Binz Ende September mit einer Themenwoche an seinen bedeutenden Baumeister ULRICH MÜTHER. Für 2020 musste die Veranstaltung unter den gegebenen Umständen jedoch abgesagt werden.

Im Jahr 2014 hat die Wüstenrot-Stiftung etliche Bauwerke von Müther begutachtet und zwei davon ausgewählt, um die Möglichkeiten einer denkmalpflegerischen Instandsetzung auszuloten: den ehemaligen Rettungsturm der Strandwache in Binz (Baujahr 1981) und den Musikpavillon „Kurmuschel“ in Sassnitz von 1987. Beide Bauten wurden aufwändig saniert. Am 26. April 2018 wurde der Binzer Rettungsturm, das „UFO in den Dünen“, feierlich übergeben und wird seitdem wieder als begehrte Außenstelle des Binzer Standesamtes für Trauungen genutzt.

Ulrich Müther hat mit seinen Bauten ein bedeutendes Kapitel der Architektur geprägt. Er setzte Kontraste zu den genormten DDR-Plattenbauten. Seine mehrfach gekrümmten Schalen sind Perlen der Ingenieurskunst, bedeutende Beispiele der DDR-Moderne, architektonische Kunstwerke: Planetarien, Messehallen, Bob- und Rennschlittenbahnen, eine Radrennbahn in Havanna, Restaurants. Seine Bauten stehen noch heute in Wolfsburg, Rostock, Altenberg, Oberhof, Helsinki oder Tripolis. Und auf Rügen! In keiner anderen Region gibt es so viele Hyparschalenbauten von ihm.

Weitere Bauten in Binz und auf der Insel Rügen:

>> Schalen in den Speisesälen des IFA-Ferienparks
>> die Ostseeperle in Glowe
>> Zeitungskiosk in Baabe
>> das Inselparadies in Baabe
>> Schwimmhallenüberdachung im Rügen-Hotel in Sassnitz
>> die Kurmuschel in Sassnitz
>> Speisesaal des Pionierferienlagers in Borchtitz, heute privat
>> 3 Finnhütten in Borchtitz
>> Buschwartehäuschen in Buschvitz
>> Dach der Sporthalle in Gingst

Doch nicht alle Müther-Bauten sind erhalten geblieben. Sein Erstlingswerk für die Diplomarbeit, der Speisesaal vom „Haus der Stahlwerker“ in Binz (1963-64 errichtet), wurde 2002 abgerissen. Nur fünf Jahre, von 1985 bis 1990, existierte die Eingangshalle mit drei Schalendächern am Thälmann-Heim in Binz. Und der Rettungsturm 2 in Binz, der in Zusammenarbeit mit dem Architekten Dietrich Otto gebaut wurde, ist 1993 im Zuge des Seebrücken-Neubaus geschliffen worden. Dieses Schicksal ereilte auch das legendäre und denkmalgeschützte Ahornblatt in Berlin, die Schülergaststätte in Bergen-Süd, die Buswartehalle in Dranske oder der hölzerne Musikpavillon neben der Störtebekerbühne.